18. Juli 2020

Die Bürgerpark Gallery

[unbezahlte Werbung] Am idyllischen Bürgerpark müssen zwei Häuser für ein Neubauprojekt weichen. Doch bevor die Abrissbirne die Relikte der Vergangenheit zu Staub zerfallen lässt, kommen 40 Künstler für ein einmaliges Projekt zusammen. Was buchstäblich mit der Geburt eines Kindes beginnt, verhilft auch den alten vier Wänden zu einem neuen und vor allem bunten Leben.

Inga Meggers und Oliver Bartelds kamen eigentlich für die Geburt ihres Sohnes Fritz von der großen Hafenstadt Hamburg in die beschauliche Hasestadt Osnabrück. Schnell wurde jedoch beiden klar, dass das verlassene Grundstück am Bürgerpark das zweite Kind der neuen Eltern werden sollte. Das Haus, in dem Inga in ihrer Jugend Flötenunterricht bekam, steht seit dem Auszug der Bewohnerin leer und soll mit dem Nebengebäude im August abgerissen werden. Wo viele Menschen nur zwei in die Jahre gekommene Häuser sehen, bei denen der Putz bröckelt und die Türen quietschen, sahen Oliver und Inga eine sprichwörtliche Leinwand, die nur darauf wartete, bearbeitet zu werden

Oliver lud befreundete regionale und überregionale Künstler ein, die an ihren Wochenenden die Außenwände und Innenräume der beiden Häuser gestalten durften. Was als Hobby in der Freizeit startete, wurde schnell zu einem festen Kunstprojekt, an dem über 50 Menschen in künstlerischer Umsetzung und Organisation beteiligt waren. Gerade der organisatorische Aspekt war für das Projekt in Zeiten von Corona besonders herausfordernd. So galt es zum Beispiel die Besuchersteuerung zu planen, ein Hygienekonzept umzusetzen oder rechtzeitig zur Vernissage mehr als 50 Exponate an die Wände zu hängen. „Ohne das Engagement unserer insgesamt achtköpfigen Crew wäre das Ganze nicht realisierbar gewesen“, so Oliver.
Die Gemeinschaft und der Austausch einzelner Künstler und Organisatoren untereinander zähle dabei zu den besonders schönen Momenten, betonen Inga und Oliver, die auch das eigene Zuhause den anreisenden Künstlern als Unterbringung zur Verfügung stellten. “Klar, es gab auch Momente, in denen die ständige Arbeit genervt hat, aber man hat es hauptsächlich einfach gerne getan. Da setzt man sich auch noch abends an den PC und schreibt eine Pressemitteilung. Das war halt ein richtiges Herzblutprojekt.”, sagt Inga. 

Dass unheimlich viel Herzblut in der Bürgerpark Gallery steckt, wird bei einem Spaziergang über das wild bewachsene Grundstück sofort klar. Auf dem Gelände bleibt – wenn auch nur für den Ausstellungstag am 4. Juli – die Erinnerung der ehemaligen Bewohner bestehen. Wohin man schaut sind Relikte aus vergangenen Tagen: hier ein Gartenzwerg, da ein Rollator und auf einer Tischtennisplatte bemalte Schläger, die in der Garage gefunden wurden. Die Künstler ließen sich also von den Häusern inspirieren und halten deren Geschichte in ihrer Kunst fest. Es kommt einem fast so vor, als würde in der Bürgerpark Gallery für einen bunten und einzigartigen Moment die Zeit angehalten und an das erinnert, was bald nicht mehr physisch da sein wird. 

In nur fünf Wochen stellen Inga und Oliver mit Nachwuchskurator Fritz das Unmögliche auf die Beine: Eine vergängliche Ausstellung auf einem unglaublich weitläufigen Grundstück mit mehr als 40 Künstlern.
Diese Arbeit soll sich auszahlen, denn der Ansturm am 4. Juli wird mit über 1000 Besuchenden so groß, dass zum Abend hin sogar Leute weggeschickt werden müssen, um das Hygienekonzept einzuhalten. Wer also nicht die Möglichkeit hatte, sich die einmalige Kunstausstellung in voller Blüte anzusehen, kann viele Ausstellungsstücke der Beteiligten nun in der Dielingerstraße bestaunen oder einen Blick auf Instagram werfen. 

– Entdeckt von Meike von OsnabrueckBESTEN.de –