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Kleingärtnerverein Deutsche Scholle e.V.

Für viele ist der Begriff “Kleingärtner” vermutlich eher ein Synonym für Spießertum und man hat direkt Bilder von geschnittenen Hecken, penibel getrimmtem Gras und mürrischen alten Nachbarn im Kopf. Diese Bilder könnt ihr gleich streichen! Denn der Trend tendiert aktuell bei vielen Menschen stark zum Eigenanbau. Dieser Traum kann in einem Schrebergarten erfüllt werden und so treffen hier Generationen und Kulturen aufeinander, die sich gegenseitig bereichern und eine einzigartige, angenehme Gemeinschaft bilden.

Emil Zuleia, der erste Vorsitzende des Kleingartenvereins Deutsche Scholle, hat uns virtuell sein Gartentor geöffnet und uns gezeigt, wie es aussieht, wenn StädterInnen sich ein Stück Natur in ihren Alltag holen.

Gärtnern auf geschichtsträchtigem Boden

Der Ursprung des Kleingartenvereins steht im engen Zusammenhang mit Osnabrücks geschichtlicher Entwicklung, doch dazu müssen wir einen kurzen Abstecher zurück zum Anfang des 20. Jahrhunderts machen. In dem heutigen Stadtteil Wüste lebten damals viele ehemalige Angehörige der napoleonischen Armee, die aus dem heutigen Russland stammten. Im Jahr 1915 wurden dann die Flächen der heutigen Gärten zudem noch durch russische Kriegsgefangene trockengelegt und umgegraben. Da dieses Gebiet dadurch besonders russisch geprägt war, wurde die heutige Wüste im Volksmund “Moskau” genannt. Daher stammt auch der Name für das “Moskau-Freibad”, das diese Bezeichnung bis zur heutigen Zeit bewahrt hat. Aufgrund dieser Ortsgegebenheiten und ihrer Entstehung wurden die Flächen, die 1916 zum ersten Mal als Gärten verpachtet wurden, als “Russengärten hinter Moskau” bekannt. Und so lässt sich auch erraten, welchen Namen der Kleingartenverein trug, der 1922 offiziell wurde. Richtig, Kleingartenverein “Moskau”!

Doch jetzt wieder zurück in die Gegenwart! Von ca. 40 Gärten wuchs die Anlage bis heute auf ganze 704 Gärten in 28 Parzellen und heißt mittlerweile “Deutsche Scholle”. Bei der Nutzung der Gärten lassen sich zwei hauptsächliche Bestrebungen erkennen. Zum einen dient der Garten vielen als Freizeit- und Erholungsoase, doch auch der Nutzgarten ist hoch im Kurs. So findet man hier immer mehr Bio- und Ökogärten, die sich durch die Zusammenarbeit mit der Natur auszeichnen. Unter Einbeziehung von nützlichen Helferlein aus der Tier- und Pflanzenwelt wird nicht nur ein Ökosystem aufgebaut, das verschiedensten Tieren und Pflanzen einen Lebensraum bietet. Durch das biologische Gärtnern und die vorteilhaften Wechselbeziehungen, die ein intaktes Ökosystem mit sich bringt, reift in diesen Gärten auch biologisches Obst und Gemüse, dessen besondere Qualität man sieht und schmeckt. “Viele Leute, insbesondere junge, wollen auf ihren Gärten eigenes Obst und Gemüse anbauen”, bemerkt auch Zuleia als er über die Veränderung in den letzten Jahren spricht. Daran sieht man auch einen Wandel im Denken der Menschen, vor allem bei der jüngeren Generation. Sie denken umweltbewusster, ökologischer und wollen Lebensmittel konsumieren, die nachhaltig und biologisch angebaut wurden. Und wie kann man das besser gewährleisten, als es selber zu machen?

Eine Gemeinschaft, die wächst und gedeiht

“Dass ich mit dem Garten einen Ort habe, an dem ich die Ruhe und Sonne genießen kann”, schätzt Zuleia an seinem Kleingarten besonders. “Bisschen ‘was anbauen ist auch schön, aber natürlich nicht zu viel, weil das würde ja in Arbeit ausarten und das will ich ja nicht”, scherzt er. Gerade im Lockdown ist ein eigener Kleingarten so wertvoll, da die Kleingartennutzung uneingeschränkt bleibt (ausgenommen ist jedoch das Vereinsleben). Seine Oase kann er schon nach einem 15-minütigen Radweg erreichen. Aber das gilt nicht nur für diesen Kleingärtnerverein. “Das Schöne an Osnabrück ist, dass die Kleingärtnervereine hier so liegen, dass jeder in Osnabrück unabhängig vom Stadtteil die Möglichkeit hat, seinen Garten in 15 Minuten mit dem Rad zu erreichen.” Und so lässt sich in Osnabrück die Stadtliebe mit der Naturliebe besonders gut vereinen. Neben den Vorzügen eines eigenen grünen Rückzugsortes schätzt Zuleia auch besonders die Vereinsgemeinschaft, die hier intensiv gelebt wird. Er erzählt uns von den vielen Feierlichkeiten, die hier unter normalen Umständen feste Termine im Gartenjahrkalender haben. Doch auch dazwischen werden unter normalen Umständen gerne sogenannte “Parzellenfeste” gefeiert, bei denen um die 25 Leute zusammenkommen.

“Im Verein haben wir um die 15 verschiedenen Nationalitäten” erwähnt der erste Vorsitzende stolz. Der Verein beherbergt also nicht nur unterschiedliche Pflanzenkulturen! Das Erntedankfest wird deshalb auch international gestaltet, wodurch es umso mehr profitiert. Es startet mit einem ökumenischen Gottesdienst, sprich evangelisch, katholisch und zunehmend auch mit muslimischen Einflüssen. Anschließend bereiten die Gartenfreunde internationale Spezialitäten aus den Heimatländern vor, die dann in geselliger Runde mit ausgelassener Stimmung verspeist werden. Zu den besonderen Anlässen werden auch gerne Ferkel und Lämmer gegrillt – natürlich wurde der Grill dafür auch in Gemeinschaftsarbeit errichtet. “Der Nikolaus bei der Nikolausfeier wurde in den letzten Jahren immer von einem Schotten dargestellt”, erinnert sich Zuleia zurück. “Er hat sich extra für diesen Anlass ein halbes Jahr lang einen Bart wachsen lassen und sah dann auch richtig aus wie ein Nikolaus.” Ein Engagement, das Kinderaugen zum Leuchten gebracht hat.

Die starke Gemeinschaft, die hier so geschätzt wird, beweist immer wieder ihren Zusammenhalt. Als die Spielgeräte des Spielplatzes nicht mehr TÜV-geprüft waren und erneuert werden mussten, war dies nur durch Spenden möglich. “Dabei kamen unglaubliche 13.000 Euro zusammen”, berichtet Zuleia gerührt. Die neuen Spielgeräte wurden dann natürlich auch in Gemeinschaftsarbeit hergerichtet und aufgebaut und bieten den Kindern neben den Gärten bis heute einen Platz zum Toben und Spielen.

Die Betreibenden des Wirtshauses der Deutschen Scholle, ein schottisches Ehepaar, versorgen Mitglieder und Besucher nicht nur mit ausgewählten britischen und deutschen Bieren und köstlichen hausgemachten Speisen, sondern sind auch eng im Vereinsleben integriert. Als sogenannter Drum Major in einer Dudelsackband stellt der Wirtshausbetreiber sein schottisches Können sogar bei Vereinsfeierlichkeiten zur Schau. Aber auch außerhalb des Vereins gilt das Lokal mit dem “schönsten Biergarten Osnabrücks” als beliebtes Ausflugsziel inmitten der grünen Oase.

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