29. August 2020

Kulturgesichter0541

[unbezahlte Werbung] In herausfordernden Zeiten brauchen wir alle kleine Mutmacher und ganz viel Zusammenhalt. Aber was ist, wenn diese Herausforderungen keine Einzelpersonen, sondern eine ganze Branche betreffen? Jakob J. Lübke möchte mit seinem Projekt “Kulturgesichter0541” auf die Akteurinnen und Akteure der Veranstaltungsbranche aufmerksam machen und zeigen, wer eigentlich wirklich hinter euren Lieblingsveranstaltungen steckt.

Mit einem Video auf Facebook und Instagram machte Jakob im Juni auf sich aufmerksam. Jakob erzählt darin unverblümt, wie es ihm seit dem Lockdown geht. Der junge Musiker ist als Freiberufler mit seiner Gitarre und seinem Knowhow auf den Bühnen des Osnabrücker Landes unterwegs. Jakob tritt normalerweise auf Hochzeiten auf, arrangiert Musikstücke und stellt als musikalischer Leiter ganze Musicals auf die Beine. Doch plötzlich heißt es öffentlicher Stillstand und damit auch Arbeitsverbot für den Künstler, der nun zwar mit den Absagen und Umbuchungen eine Menge zu tun hat, dafür aber nicht mehr bezahlt wird. Das Video erhält Unmengen an Zuspruch, wird immer weiter geteilt und lässt Jakob zu einem “Kulturgesicht” werden. Andere Menschen in der Eventbranche sitzen nämlich im selben Boot und können sich mit ihm und seinen Herausforderungen identifizieren.

Durch die Botschaft des Videos kommen immer mehr Leute, die sich zuvor schon für den Erhalt der Eventbranche engagierten, auf Jakob zu. Diese Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen ermutigt den Musiker, für seinen Job zu kämpfen und ein größeres Bewusstsein für seine Eventszene zu schaffen. Er redet mit Politikerinnen und Politikern auf kommunaler, Landes- und Bundesebene und vernetzt sich immer weiter mit Mitstreitenden. Nur durch gemeinsames Engagement könne auf die Herausforderungen der Branche aufmerksam gemacht werden, so der Künstler. Was Jakob vorher durch seine Musik tat, schafft er jetzt durch sein sozialpolitisches Engagement: Er bringt Menschen zusammen.

Um einen produktiven Dialog zu schaffen, ruft der Osnabrücker nun die “Kulturgesichter0541” ins Leben. Inspiriert durch die deutschlandweiten Initiativen #kulturerhalten und #alarmstuferot, aber auch angelehnt an die Hannoveraner Aktion “Kulturgesichter0511”, möchte Jakob nun die Branche auf regionaler Ebene vereinen. Sein Projekt soll Kolleginnen und Kollegen ein Gesicht in Osnabrück geben und auf eine Szene aufmerksam machen, die so viel in unserer Hasestadt bewegt. Zusammen mit dem Fotografen Lukas Gruenke, der normalerweise mit Hochzeiten sein Geld verdient, und der Mitorganisatorin Laura Hoth, die viele Veranstaltungen speziell für Studierende organisiert, stellt Jakob ein Fotoshooting direkt zwischen Rathaus und Stadtbibliothek auf die Beine. Die drei wissen, was es heißt, momentan in der Eventszene tätig zu sein und setzen dieses Projekt deswegen mit Herzblut und tatkräftiger Unterstützung der helfenden Hände Patrick Otto und Jennifer Schotter um.
Alle, die in der Veranstaltungsbranche tätig sind, dürfen kommen und ihr ganz eigenes Kulturgesicht fotografieren lassen. Die Portraits sollen später dann als Plakate in der Stadt hängen und in Form von Posts auf Social Media publiziert werden. So könnten Osnabrückerinnen und Osnabrücker sehen, wer eigentlich wirklich betroffen ist und eventuell sogar das ein oder andere Gesicht wiedererkennen. Es sei wichtig, dass man einen persönlichen Bezug zu diesen Menschen schafft und so die ganze Branche ein wenig nahbarer mache, betont Jakob. 

Die Aktion spricht sich schnell herum, sodass mehr als 100 Akteurinnen und Akteure am Samstag bereits früh zum Maktplatz kommen, um sich ablichten zu lassen, ein paar kurze Informationen zu ihrer Tätigkeit zu geben und ein Zeichen zu setzen. Jakob und sein Team wirken fröhlich über die vielen Interessierten und gleichzeitig wirken auch die fotografierten Kulturgesichter zuversichtlich, dass diese Aktion ein Bewusstsein für ihre derzeitige Situation schafft. Jakob wünscht sich, dass er nun so viele Menschen wie möglich an einen Tisch bringen kann. “Damit wir gemeinsam da sind, damit wir gemeinsam über Ideen und Vorschläge ins Gespräch kommen und dann final, damit wir aus dieser Aktion wirklich mal gemeinsam Lösungen finden”, erklärt der engagierte Musiker.
Jakobs Projekt trägt bereits Früchte. Die Leiterin des Projektbüros Kultur der Stadt Osnabrück Anke Bramlage befürwortet die Initiative und Jakob wird die Ergebnisse seines Projekts in der nächsten Woche dem niedersächsischen Innenminister und früheren Osnabrücker Bürgermeister Boris Pistorius vorstellen. Außerdem arbeitet die Kulturbrücke Osnabrück, ein Verbund der lokalen Kulturszene, nun eng mit den Kulturgesichtern zusammen. Diese sammeln Spenden für den Erhalt der kulturellen Vielfalt in Osnabrück. Dadurch können auch die, die sich sonst an ebendieser Kultur erfreuen, ihren Beitrag zu deren Erhalt leisten. Denn, wie Jakob am Ende seines kleinen Videos und in unserem Gespräch richtig feststellt: “Die jetzige Situation können wir vor allem deswegen überstehen, weil Kultur da ist, weil Kultur einen trägt, weil Kultur Leute zusammenbringt und weil Kultur auch immer wieder ein Hoffnungsschimmer sein kann, muss und ist. Das ist etwas, was wir nicht verlieren dürfen.

-Entdeckt von Meike von OsnabrueckBESTEN.de-